Hausbesuche im Elendsviertel La Cava

von Jean-Paul Pastor-Guzmán

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Mit Chana bin ich unterwegs, um die Kinder aus meiner  '97-'98er Gruppe in ihren Häusern zu besuchen, und  planillas (Listen) auszufüllen. Diese planillas sollen die Daten (Adresse, Namen der Geschwister und Beschaffenheit des Hauses) unserer Projektteilnehmer erfassen. (...)

Im ersten Haus, das wir besuchen, lebt Martín. Er ist ein großes Fußballtalent, aber auch einer der größten Rebellen und Störenfriede meiner Gruppe.  Er kommt uns auf dem Weg, mit einer dicken, viel zu großen Wollmütze auf dem Kopf, entgegen. Er begrüßt Chana und mich jeweils mit einem Küsschen. Hier sei er er tranquilo (ruhig) meint Chana.
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Wir fangen an die planillas auszufüllen. Standarddaten wie Name und Passnummer haben wir schnell durch. Weiter also mit der „familiären Situation“: Weniger als 5 Geschwister gibt es selten, oft haben diese dann verschiedene Nachnamen, sprich verschiedene Väter. Martín hat nur vier Geschwister. Wir kommen zum Punkt der Beschaffenheit der Unterkunft. Wir fragen und kreuzen die Antwort jeweils auf unseren Listen an: Wände? -Holzplatten. Dach? -Wellblech. Ist die Wohnung gegen Überschwemmungen geschützt? - Ja. Strom? - Ja. Gas? - In einer Karaffe, wie überall. „TV?“ - wird beim Nachbarn angezapft. Boden? - Erde. [...]

Weiter durch La Cava. Von ca. 12.000 Bewohnern sind, so wird vermutet, die Hälfte Kinder und Jugendliche – offizielle Zahlen gibt es nicht. Auf dem Weg zum Haus von Alan spielen einige Kinder auf dem Boden mit einem kaputten Taschenrechner, sie sitzen neben der dunkel schimmernden Abwasserrinne. Einige Meter weiter spielen zwei Kinder lachend mit Murmeln. Ich habe damals nie mit Murmeln gespielt, denke ich mir. (...)




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