Die Familie unterm Baum


Claus Reichel reflektiert über seine Erfahrungenmit den „Ausgestoßenen“ Cochabambas

Ich besuche sie und gehe wieder fort. Wenn ich zweimal die Woche bei ihnen bin, verweile ich nur wenige Stunden, mir kommt die verbrachte, sehr eindrucksreiche Zeit aber viel länger vor. Früher beachtete ich sie nicht, als ich an ihnen mit dem Taxi vorbeifuhr. Heute erkenne ich jeden Einzelnen von Weitem. Sie leben unter einem Baum neben der Straße auf verfaulten Matratzen, in abgetragene Kleidung gehüllt und fast ohne Geld. Trotzdem heben sie ständig ab, der Klebstoff, den sie schnüffeln, lässt sie fliegen. (...)

Sie sind diejenigen, die den anderen Menschen in der Stadt für 0,10 € die Schuhe putzen, sie sind es, die nachts in Bars Kaugummi und Zigaretten verkaufen, sie sind es, die auf Anerkennung warten. (...)

Einige Menschen aus meinem näheren Umfeld sagen, für diese Menschen sei alles zu spät, jegliche Hilfe würde ins Leere laufen.

Doch dann erzähle ich von dem Tag, als wir mit der Familie aufs Land an einen Bergfluss fuhren... (...)



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