Mein Jahr als Zivi-Mutter

von Inge Shabli

Da habe ich schon drei Kinder und dennoch ist es jedes Mal schwer, wenn ein Kind aus dem Haus geht. So erging es mir auch mit meinem zweiten Sohn Sami, der am 25. August 2006 nach Bethlehem (Palästina) abgereist ist, um dort sein Freiwilliges Soziales Jahr im SOS-Kinderdorf zu absolvieren. (...)

Das Auswahlseminar für Sami bei der Weltweiten Initiative für Soziales Engagement e.V. war Anfang Januar 2006. Mein Auto stellte ich selbstverständlich für die Fahrt von Köln nach Berlin zur Verfügung.  Das war Samis erste weite Autofahrt. Als er Sonntagabend spät wieder in Köln ankam, erzählte er mir von dem Wochenende und war total begeistert. Angespannt wartete er auf die Email von Pablo Schickinger, der die Zu- oder Absagen verschickt. Ich erinnere mich noch genau: Es war an einem Samstag, als wir Besuch hatten und Sami freudestrahlend in das Wohnzimmer kam und uns allen mitteilte: „Juchee!!! Sie haben mich genommen! Ich bin dabei! Ich fahr nach Palästina!“ (...)

Ich war unglaublich überrascht und stolz auf Sami, wie er mit seinen neuen Aufgaben wie Spenden sammeln, die arabische Sprache erlernen und alles für die Ausreise zu organisieren umging. Er war auf einmal sehr selbstständig, sehr organisiert, sehr interessiert und informiert und sehr motiviert. Es war unglaublich schön zu sehen, wie sehr er sich positiv weiterentwickelte. (...)

Kurz vor Samis Abreise brach der Krieg zwischen Israel und Libanon aus. Die ganze Familie in Deutschland und in Syrien war aufgebracht und versuchte Sami davon zu überzeugen, nicht nach Palästina zu reisen. Sami nahm mit Uta Forstat, Vorstandsmitglied der Weltweiten Initiative und Betreuerin der Freiwilligen, die nach Palästina gehen, Kontakt auf. Diese versicherte ihm und den anderen Freiwilligen, dass Bethlehem und Umgebung sicher seien. Auch unsere palästinensischen Freunde bestätigten uns das und so war an Samis Entschluss zu gehen nicht mehr zu rütteln. (...)



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