Mexiko – Irgendwo zwischen Erster und Dritter Welt

von Moritz Binz

Als im Jahr 2000 die seit 71 Jahre etablierte  „Einparteienregierung“ PRI abgewählt wird, erwarteten viele einen Wandel in der politischen Landschaft des mittelamerikanischen Staates Mexiko. Der Weg der neuen Regierungspartei PAN führte das Land bisher jedoch nicht aus seiner Misere.

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Kopflos in die Zukunft

Mexiko ist ein Land der Gegensätze. In kaum einem anderen Land der Welt ist die Schere zwischen Arm und Reich so groß wie in Mexiko. Und sie wächst weiter. Auf den europäischen Wirtschaftsgipfeln präsentiert Präsident Felipe Calderón das Land als eines der Weltwirtschaftsmächte, weist stolz auf die hohen Exportzahlen hin und die positiven Folgen des NAFTA. Mexiko sei auf dem besten Wege in die Riege der Erste-Welt-Nationen einzutreten.

Allerdings gibt es auch das andere Mexiko. Laut WTO lebt die Hälfte der 105 Millionen Mexikaner in Armut, auszugehen ist sogar von einer größeren Zahl. Das NAFTA hat nicht nur zu großer Unabhängigkeit vom nördlichen Nachbarn USA geführt, sondern auch große Teile der Bevölkerung, vor allem Indigene, in noch größere Armut gestürzt. (...)

Der Reichtum bleibt sehr wenigen vorbehalten. Landflucht und Migration in Richtung Norden sind aus Verzweiflung weitreichende Folgen, auch hier konnte die derzeitige Regierung keine Lösung in Zusammenarbeit mit den USA finden. Ein Drittel des gesamten mexikanischen Bruttoinlandprodukts wird noch immer durch Schattenwirtschaft eingebracht; „fliegende Händler“, Schuhputzer, Gelegenheitsarbeiter, die keinen Pfennig Steuern zahlen, ein Geschäft, das wesentlich lukrativer ist, als eine feste Anstellungen bei einem Mindestlohn von drei Euro pro Tag.

Mexiko ist ein Land zwischen zwei Welten. Während wenige Mexikaner in teuren Autos über holprige Straßen brausen, verdienen viele Mexikaner bei Gelegenheitsarbeiten nicht einmal genug, um sich den Fahrpreis für einen der Tausenden klapprigen Busse zu verdienen. Der Weg in die angestrebte „Erste Welt“ ist noch lang, auch wenn es die Regierenden nicht wahrhaben wollen. Die Konzepte fehlen.



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