Bolivien unter Evo Morales:
ein Land im Wandel

Von Philipp Schrauth, Bolivien

Was bewegt ein knappes Viertel der Bevölkerung eines Landes dazu, sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu versammeln? Arm und Reich, Dunkel- und Hellhäutige, Mestizen, Quechuas und Aymaras trafen am 20. Juli 2007 in El Alto zusammen, um gemeinsam zu demonstrieren. El Alto liegt oberhalb von La Paz, dem Regierungssitz Boliviens.  Zwei Millionen Menschen ließen mit gewaltiger Stimme verlauten: „La Sede No Se Mueve!“ („Der Sitz wird nicht verschoben“), womit sie gegen den aus dem Osten des Landes stammenden Vorschlag protestierten, den Regierungssitz in die konstitutionelle Hauptstadt Sucre zu verlegen. (...)

Vor allem der bestehende Konflikt zwischen dem östlichen Hochland und westlichen Flachland lässt die Gemüter immer wieder so erhitzen, dass diese Spannungen sich auf der Straße entladen. Manchmal friedlich, wie am 20. Juli in El Alto geschehen, andere Male jedoch auch durchaus blutig, wie es im Februar 2007 in Cochabamba der Fall war. (...)

Die ständige Autonomiefrage oder auch der neueste Clue, die Forderung der Verschiebung des Regierungssitzes, lässt die zwei Fronten so verhärten, dass ein offener und vernünftiger Dialog immer unwahrscheinlicher wird.  (...)

Um so erstaunlicher sind die politischen Errungenschaften, die Evo Morales schon durchsetzen konnte. Nachdem Boliviens Wirtschaft jahrelang von transnationalen Firmen beherrscht wurde, die das gewonnene Kapital ins Ausland absetzten, versucht der Fidel Castro und Hugo Chavez nahestehende Morales nun die Wirtschaft auf nationale Produktion und Firmenführung umzuleiten. (...)

Auch in der Sozialpolitik hat der Aymara-stämmige Präsident schon Akzente setzen können. Kurz nach Amtsantritt kürzte er sowohl das Gehalt aller Minister als auch das eigene um 50 Prozent und setzte somit ein Zeichen im Kampf gegen die Armut. (...)



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