Wie ein Lehrerstreik in Südafrika
den Alltag eines Freiwilligen veränderte

von Jan-Hendrik v. Zelewski

Seit 1996 haben die südafrikanischen Lehrer keine nennenswerte Gehaltserhöhung (...) bekommen. Als sich dann das Parlament Mitte Mai eine Gehaltserhöhung von 57% genehmigte, lief das Fass über. (...)

(...) [D]ie Unions (Gewerkschaften) der Lehrer und der öffentlichen Angestellten riefen zum Generalstreik auf.

Die ersten Streiktage in Ethembeni waren extrem stressig: Ich habe den ganzen Tag damit verbracht, die Schüler irgendwie zu beschäftigen. Doch alle 300 Kids lassen sich ohne den gewohnten Schulalltag, der auf einmal völlig wegbrach, einfach nicht beschäftigen. (...)

Am Dienstag, dem fünften Tag des Streiks, kam plötzlich das Gerücht auf, dass die Unions „Schlägertrupps“ in die Schulen schicken und die Streikbrecher aus den Schulen treiben würden. (...)

Kaum hatte Siza das Telefonat mit seiner Mutter beendet, kamen Busie und Nosipho zu mir und baten mich, mit ihnen zum Girls Hostel zu kommen. Dort wollte ein Haufen verängstigter Schülerinnen wissen, ob ich bei ihnen bleiben könne: Ihre Hausmutter war aus Angst um ihre eigene Gesundheit kurzerhand aus der Schule in die Community geflohen und hatte die Kids alleine gelassen. Mum Natalie, die sonst in der Therapie arbeitet, war zum Glück auch noch in der Schule und konnte die in Tränen aufgelösten jüngeren Kids auf Zulu beruhigen. Die Hausmutter selbst ist erst am Abend zurück zur Schule gekommen. Eine wirklich bizarre Situation. (...)

Am Wochenende fuhren wir dann nach Harding, etwa 300 km von Durban entfernt,  zu einer anderen Special School; uns war berichtet worden, dass dort noch normal unterrichtet werde. (...)

Das eiserne Schultor ist verschlossen und die Freiwilligen an der Harding Special School sammeln die letzten liegengebliebenen Spielsachen der Kinder ein. Dort, wo sonst über hundert Mädchen und Jungen seilspringen oder Fußball bolzen, ihre kleinen Drahtautos über das Schulgelände "cruisen" oder Umlabalaba spielen, herrscht gähnende Leere. Vom Geräuschpegel könnte es ein normaler Ferientag sein, wäre da nicht Jill, die Küchenchefin, die aufgeregt von Raum zu Raum hetzt. Wäre sie alleine, wäre ihre Anspannung nicht so groß. Doch sie ist nicht alleine: Die Schüler sind alle da. Eingeschlossen im Jungen- und im Mädchenhostel. (...)



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