Basketball der besonderen Art

Im Projekt für Hörgeschädigte Cerefe, El Alto


Von Matthias Zinßer, Bolivien

Hinter Christoph her gehe ich durch das Tor in einen Innenhof, in dem ein Basketballfeld aufgemalt ist. Etwa acht Jungs, zwischen 14 und 16 Jahren alt, warten dort auf uns. Sofort wird auf mich gedeutet und gestikuliert, eine Reaktion die mir schon jetzt nicht mehr fremd ist, man sieht hier nun einmal nicht alle Tage einen 1,95m großen „Gringo“ herumspazieren. Als ich dem ersten Jungen die Hand gebe und brav mein „Holá“ aufsage werde ich kurz rot, das über die Jahrzehnte antrainierte Verhaltensprotokoll hat mich in diesem Moment kurz vergessen lassen, dass mich hier niemand hören kann.

Seit jenem Mittwochvormittag gehe ich zweimal pro Woche in das Behindertenzentrum „Cerefe“ im Viertel Villadolores der Stadt El Alto in Bolivien, um mit einer Klasse von taubstummen Jungs Basketball zu spielen.

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Mitten in unsere Trainingszeit fällt die große Pause. Pünktlich von 10 Uhr an strömen also etwa 200 Kinder mit den verschiedensten Behinderungen auf unser Spielfeld. In meinem ganzen Leben ist mir noch nie ein solch sympathisches Chaos untergekommen. Man muss allerdings immer ein wenig aufpassen, weil viele der Kleinen kein gutes Gespür für den Umgang mit anderen haben. Ich habe es schon erlebt wie ein Junge einen anderen, kleineren bei den Haaren packte und mit dem Gesicht nach unten hinter sich herschleifte; vollkommen überrascht war ersterer dann, als ich wie ein Berserker brüllte und hinter ihm hergerannt kam.

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