Zwischen Kino und Knochenwerfen

Das Leben einer jungen Sangoma


Von Florian Kienle, Südafrika

Lässig sitzt die 19-Jährige auf der Couchlehne. Mit braunem Top und rotem Rock ordne ich sie scheinbar automatisch in die Sparte „junges, schwarzes Südafrika“ ein – Housebeats und Handys, den Blick in die Zukunft gerichtet. Die Tradition nur noch Staub in den Kleidern, den man ausklopft und schließlich übersieht. Das Leben genießen – Doch irgendetwas an der jungen Frau passt nicht ins Bild eines „modern Chics“, etwas an ihr ist anders. Ntokozo Pearl Mbhele, so ihr Name, ist eine Sangoma, eine traditionelle Heilerin.

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„Die Tradition der Sangomas entstand vor langer, langer Zeit, noch bevor es Weiße in Südafrika gab. Sangomas waren die Ärzte dieser Zeit. Sie waren es, die Menschen heilten, wenn sie krank oder verletzt waren. Sie können die Zukunft voraussagen und wissen, was in der Vergangenheit geschah.“ Während sie erzählt leuchten ihre Augen voller Überzeugung und Eifer. „Um die Zukunft vorherzusagen, werfen wir Knochen. Außerdem kommunizieren wir mit unseren Vorfahren.“

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Im nächsten Moment steht Ntokozo auf und gibt mit der gleicher Hingabe, mit der sie eben noch über Vorfahren, bad spirits und Heilkräuter gesprochen hat, einen Ausschnitt aus einem selbst geschrieben RnB Song zum besten: „...Tell me when will I ever get the feeling like I’m your girl. Give me love, true love. Please me, treat me your love is all I need!

Wie schafft sie es zugleich Sangoma zu sein, und ein „normaler Teenager“? Lieder über Beziehung und Liebe zu singen, wenn ihre Vorfahren ihr es verbieten auf Parties zu gehen? Vormittags Physik-Examen zu schreiben, und nachmittags durch Trommeln ihre Vorfahren herbei zu rufen?

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