Eine Augenbraue, ein Flohmarkt und seine Cholitas

Die Fería in El Alto, der zweitgrößte Markt der Welt


Von Philipp Schrauth, Bolivien

Von überall eilen sie herbei, die Toyotas, Mazdas und die Mitsubishis mit ihren bis zu 15 Fahrgästen während die Schreier, ob Cholitas in ihren traditionellen Trachten oder Kinder im Alter von acht Jahren, aus ihnen heraus den Weg zur Autopista (Autobahn), zur Reloj (Großen Uhr), jedoch so gut wie jeder: in die Ceja (auf Deutsch „Augenbraue“) ankündigen. (…) Angelehnt an einen Spruch aus vergangenen, alten Zeiten, kann man getrost sagen: Alle Wege (zumindest in El Alto) führen in die Ceja.

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An diesem Ort, an dem alle wichtigen Geschäfte zusammenlaufen, der Verkehr seinen Knotenpunkt findet und natürlich die Kriminalität Hochkonjunktur feiert, rennen, schlendern und schreien täglich Tausende von Menschen umher und verknoten sich in einen Knäuel von Hektik und Lärm.

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Genau vor deinen Augen pinkelt ein Mann vom Gehsteig hinunter mitten auf die Straße. Für Neuankömmlinge in Bolivien wären die an jeder Straßenecke angebotenen Mittagessen wahrscheinlich keine Wohltat für den Magen, denn die dunklen Kabuffs, in denen die Mahlzeiten zubereitet werden, sind wahrlich nicht berühmt für ihre Hygiene und Sauberkeit.

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Sollte es einmal einen Gegenstand geben, der in dem ökonomischen Zentrum El Altos tatsächlich nicht gefunden wird oder man preiswertere Waren sucht, als wie sie im oben beschriebenen Viertel an den Mann gebracht werden, begibt man sich einfach auf den zweimal die Woche vorzufindenden und noch größeren Floh- und Trödelmarkt, die Fería, auch 16 de Julio genannt.

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Um die Güter an den Mann bringen zu können hilft oft die ganze Familie mit und so ist die „16 de Julio“ immer voll von Männern, Frauen, Kindern, Babys und Großeltern. (…) Die treibenden Kräfte dieser Familien und in großen Teilen auch der bolivianischen Gesellschaft, sind meist die Cholitas. So werden traditionell bekleidete Frauen in Bolivien, Peru und Chile bezeichnet, deren Trachten aus der Pollera (einem Überrock), bis zu zehn Unterröcken, dem Schultertuch und dem charakteristischen Hut bestehen. Aufgrund dieser dicken Kleiderschicht, erscheinen Cholitas oftmals auch ründlicher und übergewichtig, was jedoch als Schönheitsideal angesehen wird, da dies ein Statussymbol von Wohlhaben darstellt.

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