Gleiche Chancen für Alle?

Von der Bildungsmisere im „Schwellenland“ Mexiko


Von Marco Hamann, Thalea Gundert und Moritz Binz, Mexiko

Die Chefin des Sozialprojektes Acortar Distancias sucht nach einem neuen Lehrer für die offene Grundschule. Bei dem Blick in die Mappe der Bewerber fällt ihr erster Blick auf die Schule und die Universität, die der Bewerber besucht hat. Handelt es sich dabei um eine öffentliche Schule oder Universität, wird die Mappe zu Seite gelegt. Selbst bei Sozialprojekten scheinen die Bewerber von öffentlichen Schulen wenig Chancen auf eine feste Anstellung zu haben. Sind die öffentlichen Schulen wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

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Es gibt (…) mehr private als öffentliche Hochschulen. Jeder, der es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf eine private Schule. Übrig bleiben die Kinder der einfacheren und armen Bevölkerung. Ist man erst einmal auf einer öffentlichen Schule, ist es leider schwer „aufzusteigen“. Das Niveau der öffentlichen Schulen ist niedriger, die Lehrer weniger qualifiziert, die Ausstattung spärlich und die Chance auf eine gute Ausbildung oder einen angesehenen Universitätsabschluss gleich null.

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Lehrer, die auf einer privaten Universität studiert haben, unterrichten später auch auf einer privaten Schule. Genauso ist es bei den Schülern. Schüler der Ober- und Mittelschicht werden auf private Schulen und Hochschulen geschickt. Dort bleiben sie unter sich und knüpfen schon die ersten wichtigen Kontakte für das spätere Berufsleben. Die Absolventen der öffentlichen Universitäten haben diesen Vorteil selten. Der Zugang zu den privaten Universitäten bleibt den Kindern der unteren Bevölkerungsschichten zudem noch durch Aufnahmeprüfungen verwehrt, welche sie aufgrund ihrer mangelnden Ausbildung nicht bestehen können. Es entsteht eine Art Kastensystem, aus dem man nur schwer „ausbrechen“ kann. Die Laufbahn scheint vorbestimmt und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst anstatt geschlossen zu werden, auch in Sachen Bildung.

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