Innenansichten dreier Artgenossen

Humorvoller Exkurs über das Auf und Ab der drei Freiwilligen im Sozialprojekt Melel Xojobal, Chiapas, Mexiko

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„Was machen wir hier eigentlich?“ Die Rede ist von Moritz, Rouven und Sebastian, welche seit nun mehr als fünf Monaten im Hochland Chiapas‘ in der kleinen Stadt San Cristobal ihren Freiwilligendienst leisten. Eingesetzt im Unterprojekt „Calles“ (Straßen) der Sozialorganisation „Melel Xojobal“ sieht ihre Arbeit bis dato wie folgt aus.

Sie gehen auf die  Straße. So wie es der leicht verständliche Projektname schon impliziert. Sie sind Teil der Berufsgruppe der Streetworker und arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, welche auf der Straße Waren verkaufen, um Geld betteln oder Schuhe putzen. Diese jedoch zählt man nicht zu den Streetworkern, sondern zu Straßenhändlern. Die drei Freiwilligen bereiten Workshops vor, helfen beim Kinderkino und gehen einmal die Woche mit den Jungs und Mädchen auf den Sportplatz. Sie verrichten eine durchaus sinnvolle Arbeit. Die Kinder lernen etwas und kommen dabei aus dem Verkaufsalltag heraus. Sie dürfen einfach Kinder sein.

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Eine glückliche und schöne Zeit liegt hinter den drei Freiwilligen. Das Verhältnis zu den Kindern wurde immer besser und sie fühlten sich wohl mit dem, was sie taten. Man hoffte es würde das ganze Jahr so weiter gehen.

Mit dem ersten Arbeitstag im Januar nach der Winterpause begann die Planphase im Projekt „Calles“ für das bevorstehende Jahr. Eine Zeitspanne scheinbar intensivster Arbeit. Papierkram wird erledigt, Tabellen erstellt und Diskussionsrunden abgehalten. Alles mit einer Notwendigkeit, die die restliche Arbeit in den Schatten rückte und für Freiwillige nahezu keinen Aktionsraum bot. Daher wurden sie anderweitig eingesetzt und sollten bis Ende Februar die Projektgelände nicht mehr verlassen. Sie gingen nicht mehr auf die Straße.

Aufgaben wie im Kindergarten „Arrumacos“ (ebenfalls Unterprojekt Melel Xojobals) aushelfen oder Plakate mit Transparentfolie bekleben, wurden ihnen zugeteilt. Mit dem Höhepunkt der Planphase kam der Tiefpunkt der Freiwilligen. Ein Tag des sich-nicht-gebraucht-Fühlens. Kein Tag wie jeder andere, sondern der „Tag der Buchstützen“.

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