Was Gott uns gab

Die Müllsituation in Palästina

Gerade haben die Mädchen aus dem Internat und ich die Olivenernte abgeschlossen, da halte ich inne und lasse meinen Blick schweifen: Überall liegen Colaflaschen, Eisverpackungen und Chipstüten zwischen den Olivenbäumen verstreut. Also nehme ich mir eine große Mülltüte und sammle alles ein, was die Schülerinnen hinterlassen haben. Tamara, ein Mädchen der 7. Klasse kommt zu mir und blickt mich erstaunt an. Sie fragt, was ich da mache. Ich solle doch einfach alles liegen lassen.

Dieses fehlende Bewusstsein für die Umwelt, von dem diese Anekdote zeugt, findet man hier in Palästina nicht nur bei Kindern, sondern ebenso bei vielen Erwachsenen. Mülltrennung gibt es nicht, Abfälle jeglicher Art kommen in einen Eimer oder eben auf den Boden: Essensreste, Glas, Plastik, Papier und sogar Batterien und Medikamente.

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Für die Region um Bethlehem sind Abu Dis und das Wadi En Nar die einzigen Orte, an denen der Müll gelagert werden kann. Gleichzeitig ist die Straße durch das Tal Wadi En Nar die einzige Verbindung zwischen der nördlichen und südlichen Westbank, da sämtliche Wege über Jerusalem für Palästinenser ohne Sondererlaubnis nicht passierbar sind. Weil Abu Dis sowohl von Ostjerusalem als auch von Beit Sahour als Müllhalde benutzt wird ist die Gesundheits- und Geruchsbelastung für die Einwohner exorbitant hoch.

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Um diese Probleme anzugehen, gibt es in Talitha Kumi unter anderem ein Umwelt-Bildungszentrum, in dem Projekte für unterschiedliche Zielgruppen wie Schüler, Lehrer und Frauen angeboten werden. Eines davon ist ein Papier-Recycling-Programm, das in verschiedene Schulen durchgeführt wurde. Den Auftakt bildete ein Projekt in der Dar Al Kalima, einer kleinen Schule in Bethlehem, in dem getestet wurde, welche Methode zum Recyceln geeignet ist. Bald schon folgte die Eröffnung eines Papier-Recycling-Center in Talitha Kumi, wo im Jahr 2006 Weihnachtskarten aus wiederverwertetem Papier produziert wurden. Diese konnten dann an Paten des Projekts in Deutschland verschickt werden. Inzwischen gibt es an insgesamt acht Schulen der Region um Bethlehem, in privater wie öffentlicher Trägerschaft und unter dem Dach der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten), kleine Recycling-Zentren. Alle notwendigen Materialien wurden vom Umweltzentrum bereitgestellt, welches die Schüler und Lehrer außerdem ausbildet, sodass sie die Zentren eigenständig weiterführen können.

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